Römisches Haus
Schloss Belvedere
Es ist nicht genug, zu wissen,
man muß auch anwenden;
es ist nicht genug, zu wollen,
man muß auch tun.

Zitat: Johann Wolfgang von Goethe

Der Anstoß

Weihnachten 1959 hatte ich als junger Vater Dienst im Kinderheim Klostermühle, im Kreis Gotha. Ich arbeitete damals in diesem Heim als Heimerzieher. Bis auf wenige Kinder waren fast alle anderen nach Hause gefahren, um Weihnachten zu feiern. Die verbliebenen Kinder waren sehr traurig gestimmt, obwohl gut für sie gesorgt wurde, mussten sie im Kinderheim Weihnachten feiern, weil sie keine Elteren hatten. So erzählten mir einige von ihnen unter Tränen ihr Schicksal. Dabei kam mir die Frage in den Sinn, gibt es für diese Kinder wirklich keine andere Möglichkeit als das Kinderheim. Ich diskutierte über dieses Problem mit Kollegen, aber sie sahen ebenso keine andere Möglichkeit. Aber einer meinte ein Kinderdorf wäre wahrscheinlich besser, so etwas gibt es im Westen Deutschlands. Was ist ein Kinderdorf? Davon wussten wir alle viel zu wenig, um konkretere Vorstellungen entwickeln zu könnnen.

Die Idee

In Tabarz tagte 1968 die FICE, eine Organisatiuon der Unesco für Erziehungsgemeinschaften. Ausrichter dieser Tagung war die DDR als Mitglied. Zugleich wurde seitens der DDR verhindert, dass auch Einzelpersonen und Heimerzieher sowie ganze Heime Mitglieder wurden und davon erfuhren. Vielleicht hätten die Mitglieder auch noch zu den Tagungen in westeuropäische Länder reisen wollen.

Durch einen Zufall konnte ich an einem Nachmittag an der Tagung teilnehmen, obwohl dies eigentlich nicht erlaubt war. An diesem Nachmittag berichtetet der Gründer und Leiter des Anton-Afritsch-Kinderdorfes aus Graz über sein Kinderdorf. Er setzte sich dabei auch mit den SOS-Kinderdörfern auseiander und betrachtete sie als ungeeignet für moderne Industrieländer, weil hier die Ehe mit Kindern die normale Lebensform im Erwachsenenalter ist. Dagegen stellte er sein Modell von einem Familienkinderdorf vor, in den ein Ehepaar seine eigenen Kinder gemeinsam mit elternlosen Kindern betreut und erzieht. Dieses Modell überzeugte auch mich und ich sprach mit ihm darüber und bekam sogar sein Buch geschenkt. Ich sprach aber auch mit meinen Kollegen und auch in Fachkreisen darüber. Ich fand zwar überall Zustimmung, aber dagegen stand die Regierung der DDR, die Kinderdörfer als westliche Erfindung betrachteten und damit auch als Träger westlicher und damit feindlicher Ideologie.

Die Idee lebt schon

In der damaligen DDR-Zeitschrift "Elternhaus und Schule" fand ein Bekannter 1973 einen Artikel über ein Kinderstädtchen in Trencin in der Slowakei und machte mich darauf aufmerksam. Diesen Beitrag hatten viele Menschenin der DDR gelesen und sich damit angefreundet. Noch wichtiger war aber, dass damit die Kinderdorf-Idee in einem sozialistischen Land bereirts angekommen ist, ohne die DDR zu fragen. Sofort lief die Regriegung der DDR gegen diesen Beitrag und seinen Verfasser Strum und verurteilte erneut und offiziell die Idee von einem Kinderdorf.

1973 hatte ich die Gelegenheit im Rahmen eines offiziellen Besuches mir dieses Kinderstädtchen gründlich anzusehen und dabei stellten ich viele pädagogische und psychologische Fragen.

Wir konnten mit den Hauseltern sprechen und auf alle unsere Fragen wurden vorbehaltlos und vertrauensvoll beantwortet. Dadurch entwickelten sich freundschftliche Beziehungen, die leider erst viel später abbrachen. Am Ende unseres Besuches wurden wir sogar noch gelobt, weil sich noch nie Besucher so gründlich mit den Problemen eines Kinderdorfes beschäftigt hatten. Wir hatten viele pädagigische und psychologische Fragen gestellt, auch Fragen mir denen sich die Gastgeber selbst noch nicht auseinander gesetzt hatten. Die Leitung des Kinderstädtchens sah sich durch uns angeregt, selbst noch einmal über viele Probleme neu nachzudenken.

Aus dem ersten Besuch wurden viele weitere, aber sie dienten alle dem Ziel, ständig weitere Probleme zu diskutieren, damit wir selbst unser eigenes Modell für ein Kinderdorf in der DDR entwickeln konnten. Es gab nämlich auch viele Sachverhalte in diesem Kinderstädtchen, die wir niemals übernehmen wollten. Das Kinderstädtchen war zu offiziell, viel zu groß und besaß zu viel Eigenleben ohne die örtlichen Möglichkeiten für die Kinder zu nutzen.Außderdem war der Schulleiter auch leiter des Kinbderdorfes.

Schließlich hatten wir eine eigenes Modell für ein Kinderdorf in der DDR entwickelt, aber weil ich es nicht für mich behielten und darüber öffentlich auch in Fachkreisen redete, machte ich mich persönlich politisch verdächtig, nämlich ein Anhänger westlicher pädagogischer Ideen zu sein. So etwas konnte in der DDR sehr gefährlich sein. Alle meine Bemühungen in der DDR ein Kinderdorf zu errichten scheiterten deshalb auch.

Aber wir besaßen nun ein ausgereiftes Konzept, um ein eigenes Kinderdorf errichten zu können und es sollte der Tag noch kommen und für das Kinderdorf in Erfurt war es noch nicht zu spät.

Die Wende eröffnete uns die Chance

Die DDR lag durch den Aufstand des Volkes der DDR in Trümmern und die Wiedervereinigung Deutschlands wurde möglich. Jetzt schien mir die Zeit gekommen zu sein, um das Projekt des Kinderdorfes zu Vverwirklichung, aber wie?

Ich lud im Mätz 1990 in der Zeitung öffentlich zu einer Gründungsversammlung für einen Kinderdorfverein ein, der das Ziel verfolgen sollte, in Erfurt ein Kinderdorf zu errichten. Dazu kamen viele Menschen und am Schluss fanden sich diejenigen zusammen, die das Ziel verwirchlichten und die Arbeit auf sich nehmen wollten. Wir bezeichneten und als Thüringer Kinderdorf Verein.

In Hessen gabe es schon Kinderdörfer und sie erfuhren durch die Memdien von unseem Projekt, dadurch kam der Kontakt zustand und später fiel der Beschluß, uns als Albert-Schweitzer-Kinderdorf zu bezeichnen und Mitglied im bestehenden Verband zu werden.

In unendlich vielen Vorträgen und Gesprächen in allen Kreisen Thüringens, habe ich damals für unser Kinderdorfprojekt geworben und stieß überall auf Zustimmung und Bereitrschaft zu helfen..

Die Medien berichteten umfangreich und wiederholt über unser Vorhaben und begleiteten das Projekt in den verschiedensten Phasen seines Entstehens.

Es entwickelte sich eine für uns unerwartete Resonanz und Bewegung für unser Kinderdorfprojekt in Thüringen. Uns erreichten schnell die ersten Spenden, selbst aus allen Teilen Deutschlands und den USA. Schließlich war genügend Geld zusammengekommen, um mit dem Bau beginnen zu können. Das Kinderdorf wurde von einer Welle der Sympatie und Begeisterung getragen. Ein Journalist schrieb damals einen Beitrag mit der Überschrift: Das Kinderdorf wird ein lebendiges Denkmal der Liebe zum Kind.

Grundriss Kinderdorf

Herr Dr. Wendt, ein Architekt aus Weimar, hörte von unseremn Projekt und suchte den Kontakt. Er entwickelte für das Kinderdorf ein Modell. Dieses Modell beindruckte sofort alle Vereinsmitglieder und der Vorstand schlug dem Verein vorn zu beschließen, dass dieses Modell zum Bauplan für unser Kinderdorf angenommen wird. Nach dem wir die ersten Häuser, der Hessenhof, der Wiesenhof und das Erkerhaus errichteten. Es war für mich ein großes Erlebnis, mitten in der Baugrube zu stehen und den Baubeginn zu feiern, dann jetzt war klar, der Traum vom einem Kinderdorf wird zur Wirklichkeit. Später als die ersten Häuser bezugsfertig waren und die ersten Hauseltern einzogen waren, kamen auch die ersten Kinder zu uns ins Kinderdorf und erst jetzt begann unser Traum zu leben und er hat sich schon für viele elternlose Kinder bewährt.

Als Vereinsvorssitzender hatte ich stets Befürchtungren um unser Image, falls irgendwann einmal eine negative Information über unsere unsolide Buchführung die Öffentlichkeit kommen sollte, hätte unser Ruf Schaden genommen. Ich bin noch heute Herr Gerhard Schmidt, unseren Buchhalter dafür dankbar, dass er eine äußert präzive Verwaltung unserer Spendengelder aufgebaut hat. Ein nicht sachgerecht verwalter Pfennig hätte uns einen schweren Schaden zufügen können.

Es war eine aufregende und irre Zeit, in der die größen Probleme mit Leichtigkeit bewältigt wurden. Eine Zeit, die nicht missen möchte, sie gehört zu meinem Leben als eine der glücklichsten Phasen.

Das Kindorf lebt

Aber wo der Erfolg ist, finden sich auch Neider, Haarspalter, Besserwisser und Miesmacher ein. Warum sollten wir davon verschont werden? Als das Kinderdorf in seinen normalen Lebensrythmus überging, traten die mühseligen Probleme der Ebene auf und bremsten und zermürbten die Lösung mancher Probleme. Ein Vorstandsmitglied hatte offentsichtlich einen Auftrag, nämlich den gerade erst abgewickelten Professor, der in Thüringen wegen des Kinderdorfes in aller Munde war, aus der Funktion des Leiters des Kinderdorf zu vertreiben.

Nach fünfjähriger ehrenamtlicher Arbeit für das Kinderdorf hat er es geschafft, mich hinaus zu drängen, dank seiner Unterstützumg. Es war die Zeit, als die CDU in Thüringen eine Politik gegen die Thüringer betrieb und vor allen Dingen gegen die ostdeutsche Intelligenz. Wir wurden zu Unrecht politisch verdächtigt und abggewickelt. So blieb es bis heute, aber um die Trümmer dieser Politik im Lande Thüringen und in denen neuen Bundesländern hat sich die CDU nicht wieder gekümmert. Die negativen Folgen dieser Politik blieb und überlassen.

Bezeichnend dafür war die Frage eine jungen Beamten aus Mainz, der mich aus dem Hochschuldienst vetreiben musste: "Wie kommen Sie als Kommunist dazu ein Kinderdorf zu gründen?"

"Woher wissen Sie, dass ich ein Kommunist bin?"

"Ihr seid doch alle Kommunisten gewesen."

"Wirklich alle, auch diejenigen, die die DDR in Berlin, Leipzig und in anderen Städten demonstrierten und die DDR stürzten und die Wiedervereinigung ermöglichten? Ihr Bild über uns ist nicht nagtiv gefärbt."

Aber es gibt auch ein danach.

Ich bin dem Kinderdorf wieder nahe und mit ihm in Kontakt. Ich würde gern für das Kinderdorf viel Geld spenden, aber wir ostdeutschen Professoren warten bis heute auf die Anerkennung unserer Biografie, die Anerkennung unserer wissenschaftlichen Leistungen, eine zweite Chance wurde uns nicht gewährt, unsere Emeretierung und unsere Rentenangleichung blieb und auch versagt.

Ich würde auch gern noch eine Stiftung gründen, um den selbstständig werdenden Kindern unseres Kinderdorfes, die sich eine eigene Wohnung einrichten möchten, tatkräftig unterstützten zu können. Können Sie uns weiterhelfen?

Das Kinderdorf in Erfurt war auch einmal ein Traum und wurde Wirklichkeit, warum sollte nicht einmal eine Stiftung für die ehemaligen Kinder Wirklichkeit werden. In der eigenen Familien helfen die Eltern ja auch den erwachsenen Kinden, selbständig zu werden, um auf den eigenen Beinen stehen zu können.

Albert-Schweitzer-Kinderdorf und Familienwerke Thüringen e.V.
Unter dem Berge 6,
99097 Erfurt

Telefon 0361 55098 34
thuerimgen@albert-schweitzer.de
www.kinderdorf-erfurt.de

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